Sammlung Peter Merschroth

Absturz im Crumstädter Wald 1932

Am 1. Oktober 1932 stürzten während eines Zuverlässigkeitsfluges Hermann Kettinger und August Hasslocher vom Flugsportvereins Neustadt a.d. Haardt am Rand des Crumstädter Waldes ab. Gestartet waren sie am frühen morgen auf dem Flugplatz von Lachen-Speyerdorf bei Neustadt an der Weinstraße. Bei sehr schlechtem Wetter und dichtem Nebel versuchten sie auf dem 65 Kilometer entfernten Flughafen auf dem Griesheimer Sand zu landen. Nachdem sie den Flughafen schon zweimal überflogen hatten, ihn aber offensichtlich wegen des dichten Nebels nicht sehen konnten, flogen sie eine Schleife in Süd-Westliche Richtung. Vermutlich wollten sie einen erneuten Anflugversuch auf das ca. 4 Kilometer entfernte Flugfeld unternehmen kollidierten aber mit einer Pappel am Rande des Sandbaches in der Gemarkung Eschollbrücken. Die Maschine flog daraufhin weiter und stürzte in die Bäume am Crumstädter Waldrand. Die Maschine wurde völlig zerstört und Hermann Kettinger überlebte den Absturz nicht , August Hasslocher überlebte zunächst, verstarb aber kurz nach seiner Einlieferung in das Darmstädter Stadtkrankenhaus.

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Hermann Kettinger

(geb. 5.6.1894) nahm als Soldat am ersten Weltkrieg teil, zunächst bei den Pionieren später bei verschiedenen Infanterie-Einheiten. Er war bei vielen großen Schlachten wie Ypern, an der Somme und an der Aisne eingesetzt. Im August 1916 wurde er zur Fliegertruppe versetzt und als Beobachter bei der königlich bayerischen Luftwaffe ausgebildet, er wurde mehrfach ausgezeichnet. Nach dem Krieg war er maßgeblich am Aufbau der Fliegerortsgruppe Neustadt auf dem Flugplatz Lachen-Speyerdorf beteiligt. Bis zu seinem Tode war er deren Vorsitzender. Besondere Verdienste erlangte er bei der Errichtung der staatlich anerkannten Flugschule auf dem Platz, Kettinger war einer der ersten die dort die Pilotenprüfung mit Erfolg ablegten. Später bildete er selbst Piloten aus und nahm an zahlreichen Zuverlässigkeitsflügen mit Erfolg teil. Beruflich war er als Vertreter der Daimler-Benz- AG für den Bereich der Pfalz zuständig. Er war verheiratet und hatte eine Tochter.


August Hasslocher

(geb. 1905) war ein begeisterter Anhänger der Fliegerei. Neben dem Fliegen selbst beschäftigte er sich auch leidenschaftlich mit dem Bau von Segelflugzeugen. Er war langjähriger Mitarbeiter in einer Tuchfabrik und ledig.

Zeitungsbericht aus dem Groß-Gerauer Kreisblatt

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Der militärische Werdegang Hermann Kettingers aus der Kriegs-Rangliste der königl. Bayerischen Armee.

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Hier starben im Dienste
der deutschen Luftfahrt
Hermann Kettinger
August Hasslocher
1.10.1932
Fliegerortsgruppe
Neustadt a.d. Hdt.

 

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Gedenkstein am Rand des Crumstädter Waldes. Die Gedenkstätte wurde am 29.9.1935 eingeweiht. Der Stein steht heute noch an seiner ursprünglichen Stelle aber die Schriftplatte wurde leider mittlerweile entwendet.

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Zahlreiche Todesanzeigen und ein zweiseitiger Bericht im “Stadt- und Dorfanzeiger Neustadt” zeigen das große Interesse in der damaligen Zeit an dem Unglücksfall.

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Schriftverkehr zur Erstellung des Gedenksteins.

Bei der abgestürzten Maschine dürfte es sich bei meinen Recherchen um einen Udet U12 “Flamingo” Doppeldecker gehandelt haben. Dies war eine zweisitziges Schul- und Sportflugzeug mit einen Luftgekühlten 7-Zylinder Sternmotor und 70 KW.  Später baute man einen 9-Zylinder mit 92 KW ein. Bei einer Länge von 7,5 Metern erreichte die Maschine 140 km/h und eine Gipfelhöhe von 3700 Meter.

Hans Henry Herrmann entwickelte und konstruierte die Maschine 1924 bei der Firma Udet Flugzeugbau, deren Chefkonstrukteur und Teilhaber er war. 1925 erfolgte der Erstflug mit Ernst Udet am Steuer. Ein Jahr später übernahmen die Bayerischen Flugzeugwerke die Firma von Udet und fertigten die “Flamingo” weiter

Insgesamt wurden ca. 240 Exemplare, vorwiegend als Schulflugzeug, aber auch als reine Sportmaschine mit Kunst- flugeigenschaften, gebaut..

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